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Leitartikel von Siegfried Korzonnek

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. – Matthäus 21,31

Die Frau muss dafür bekannt gewesen sein, dass sie des Öfteren fremde Männer in ihrem Hause aufnahm. Deshalb suchte die Polizei wohl auch ihr Haus auf, um nach den beiden Männern zu suchen, die Josua ausgesandt hatte, um Jericho, Rahabs Heimatstadt, auszukundschaften (lies Josua 2,1–24).

Wohl jeder kannte sie als unmoralische Stadtfrau. Jetzt war es auch noch eine glatte Lüge, die aus ihrem Mund kam und mit der sie die Stadtpolizei in die Irre führte. Während es in Jericho sicher noch andere Leute gegeben hatte, in dessen Haus Gott die beiden Kundschafter hätte führen können, führte Er die beiden Männer genau zu dieser Person, zu einem Menschen, in dessen Haus man als anständiger Mann „nicht ging“. Während die meisten Menschen von Jericho sich nicht von Gott gebrauchen ließen, war sie es – eine der Obrigkeit gegenüber Ungehorsame, eine Falschaussagerin und Lügnerin –, die zur Retterin zweier Gottesmänner wurde und durch die Gottes Absicht durchgeführt werden konnte.

Gott wusste immer, dass diese Frau ein Doppelleben führte: das eine Leben – ihr augenblickliches Leben, das sie bekannt werden ließ – und das andere Leben, von dem sie wahrscheinlich träumte. Doch sie wusste nicht, wie sie praktisch aus dem verkehrten Leben herauskommen konnte.

„Ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will. Ich tue das, was ich hasse! Was ich hasse, das tue ich! Wollen habe ich wohl, aber das Vollbringen des Guten vermag ich nicht. Ich habe Lust am Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? – Dank sei Gott …“ (vgl. Römer 7,15–25).

Sie hatte wahrscheinlich ein intuitives Wissen in sich, dass es in diesem Universum eine Lösung gibt.

Als die Kundschafter in ihr Haus kamen, muss sie gemerkt haben, dass diese zwei Personen Mitarbeiter Gottes waren – Mitarbeiter des Gottes, nach dem sie sich immer gesehnt hatte. Durch sie war sie dem Gott begegnet, den sie suchte. Und dessen Rettungsaktion sie und ihr ganzes Haus bald erleben sollten.

Ihr Verhalten den Gesandten Gottes gegenüber zeigt, dass sie einverstanden war mit den Wegen Gottes – und mit Gott selbst! –, dem gegenüber sie durch ihr Tun Glauben bewies (vgl. Jakobus 2,17.18.25; Hebräer 11,31).

1500 Jahre später hatte Jesus, der Sohn Gottes, ein Gespräch mit einer ähnlichen Frau. Sie, die Frau, wusste, „was für eine Frau sie war“, und traute sich nur zur heißen Mittagszeit an den Jakobsbrunnen. Zu einer Zeit, als sonst niemand zu sehen war.

Während Jesus von vielen „Gesunden“ und Schriftgelehrten verworfen wurde, erkannte Er die tiefe Sehnsucht dieser Frau, der Er durch die Führung Seines himmlischen Vaters begegnet war. Es gelang Ihm, ihr geschundenes und verschlossenes Herz, das so viel Böses von anderen erlebt hatte, neu zu öffnen. Und Er ließ sie erkennen, dass in diesem Augenblick Einer vor ihr stand, der nicht wie all die anderen nur etwas von ihr wollte, sondern der ihr alles zu geben vermochte, was sie brauchte, um ein neues Leben zu erhalten.

Unser Land ist voll von Menschen, ja sie wohnen auch in unserer Nachbarschaft, die nach außen glücklich erscheinen, aber längst erkannt haben, dass sie innerlich leer sind und nach einer Heimat für ihre Seele suchen. Sie sind es, zu denen Gott uns sendet.

Lassen wir uns, wie die zwei Kundschafter vor 3500 Jahren und wie Jesus vor 2000 Jahren, durch Gottes Geist zu diesen Menschen führen! Gehen wir, die wir längst im Rettungsboot sitzen, im Gehorsam zu ihnen. Werfen wir das Evangeliumsnetz aus! Wer es tut und wer es einzieht, wird erstaunt erleben, wie viele sich in unserem Land aus dem Meer der Verlorenheit ziehen lassen. Tun wir es mutig in diesem noch recht neuen Jahr! Es wird die Überlebenschance sein für die Verlorenen – und für die Gemeinde Jesu!

Siegfried Korzonnek
Missionsleiter

[Leitartikel des Mitteilungsblatts „Echo“ des Missionswerks Bruderhand, Ausgabe Februar/März 2026]