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Leitartikel von Siegfried Korzonnek

„Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ – Jesus Christus (Joh. 3,3)

Viele Menschen haben religiöse Kleider angezogen. Aber sie haben nie das neue Leben aus Gott empfangen.

Eine 86-jährige Frau rief beunruhigt in unserem Missionswerk an und bat um einen Hausbesuch. Weil sie nicht weit von uns wohnte, machte ich mich zwei Tage später auf den Weg zu ihr. Länger als sonst hatte ich mich in meinem Büro hingekniet und meinen Besuch mit Gott durchgesprochen. Ich wollte nicht nur mal eine Tasse Tee mit ihr trinken und es bei ein paar tröstenden Worten belassen, sondern mit ihr über das Wichtigste sprechen.

Als ich bei ihr im Wohnzimmer saß, forderte ich sie auf: „Erzählen Sie mal alles aus Ihrem Leben.“ Nachdem sie anfing zu reden, kam zunächst das Schöne, doch dann das Schockierende zutage: Durch ihre gläubige Großmutter wurde ihre Sehnsucht nach Jesus erweckt. So versuchte sie, von Jugend auf ein gottgefälliges Leben zu führen. Sie ging in verschiedene christliche Gemeinschaften und Gemeinden. Mit 60 Jahren ließ sie sich schließlich auf Ermutigung anderer taufen, in der Hoffnung, dadurch endlich Frieden mit Gott zu finden.

Als ich das hörte, dachte ich: „Das darf nicht wahr sein. Getauft … großgetauft … keine Heilsgewissheit … Wer hat die Dame ohne Heilsgewissheit getauft?!“ Gibt es in manchen Gemeinden womöglich haufenweise solcher Menschen, die ohne Heilsgewissheit getauft wurden?

Nichts hatte sich seit der „Gläubigentaufe“ im Leben dieser Frau geändert. Gläubige Geschwister versuchten auf verschiedene Art und Weise, sie zum Frieden zu bringen. Man hatte ihr Gewissheit zugesprochen für etwas, das nie ihr Besitz war. Und das konnte nicht funktionieren!

Nun stand sie kurz vor einer komplizierten Operation. Und sie sagte mir: „Ich komme nicht in den Himmel. Mit meinen Sünden kann ich nicht in den Himmel kommen!“ Während sie redete, betete ich ständig um Weisheit. Ich wollte nicht jemand sein, der auch wieder nur ein christliches Pflaster auf ihr Problem klebt. Mir wurde klar: Es geht nicht um die vielen Probleme, die sie in ihrem Leben hatte, sondern nur um ein einziges: Die Frau hatte nie eine klare Bekehrung erlebt! Die Frau war nicht wiedergeboren!

Wir waren längst beim „Du“ angekommen. Ich sagte ihr auf den Kopf zu: „Das alles war bisher frommes Bemühen. Du hast kein Leben aus Gott. Es hat keinen Sinn, an den vielen Problemen herumzudoktern.“ Ich las aus dem Wort Gottes: „Jesus kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ „Du hast Jesus niemals bewusst in dein Leben hineingelassen. Er lebt nicht in dir.“ „Du hast recht!“, hörte ich sie sagen. „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden“, sprach ich der Frau zu. „Willst du das?“ „Ja!“, vernahm ich die Dame sagen. Jetzt, während wir redeten, war augenscheinlich durch Gottes Geist der Zeitpunkt gekommen, wo das klar und deutlich von ihr erwünscht war. Noch ein­mal fragte ich: „Willst du heute endlich ein Gotteskind werden? Jetzt? Heute? Hier?“ Tränen kamen in ihre Augen. „Ja, ich will.“ „Gott will es schon lange. Und wenn du es auch willst, dann kommt ihr beide heute zusammen.“

Sie kniete sich vor den Sessel und ich mich vor das Sofa in ihrem Wohnzimmer. Mit einfachen Worten, die ich ihr vorsprach und die sie nachsprach, bekannte sie nun Jesus ihre Sünden und bat um Vergebung. Aber das hatte sie ja sicher schon oft getan. Ich sagte ihr: „Du hast deine Sünden Jesus bekannt – aber eines fehlt dir: Du musst Jesus nun auch aufnehmen, um ein Gotteskind zu werden und Heilsgewissheit zu bekommen, sonst drehst du dich weiterhin im Kreis.“ So nahm sie Jesus auf, während ich ihr entsprechende Worte vorsprach, die sie nun zu Jesus sprach. Während der Worte: „Jesus, bitte komm jetzt hinein in mein Leben“, kamen Jesus und der Heilige Geist in ihr Leben und machten sie zu einer neuen Kreatur. Jetzt schenkte Gottes Geist ihr die Gewissheit, dass sie Gottes Kind ist.

Das ist für mich immer das Größte bei solchen Seelsorgegesprächen! Als ich mich von der Frau verabschiedete, stand eine völlig andere Person vor mir als noch eineinhalb Stunden vorher: Jetzt war sie von oben geboren und eine neue Kreatur! Wie lange hatte sie sich danach gesehnt. Und heute war es geschehen! Jetzt war sie wohl die glücklichste Person des Dorfes. Und ich war glücklich wie seit Tagen nicht mehr, während ich zurückfuhr zu unserer Missionszentrale.

Siegfried Korzonnek
Missionsleiter und Evangelist

[Leitartikel des Mitteilungsblattes „Echo“, Ausgabe Februar – März 2023]

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