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Traktate

Prof. Dr. Werner Gitt

Der Informationswissenschaftler Dir. und Prof. a.D. Dr.-Ing. Werner Gitt (Braunschweig) ist überzeugt, dass alle Aussagen der Bibel wahr und vertrauenswürdig sind. In seinen Büchern betrachtet er oft die Wunder der Schöpfung aus naturwissenschaftlicher Sicht.

Dr. Joachim Cochlovius stellte Fragen an Werner Gitt zu diesem Themenbereich wie z.B.: "Ihre Homepage wernergitt.de ist mit dem Motto „Vom Denken zum Glauben“ überschrieben. Wie ist das gemeint? Kann man durch Nachdenken Gott finden?"

10 Seiten, Best.-Nr. 133-0, Kosten- und Verteilhinweise | Eindruck einer Kontaktadresse



Vom Denken zum Glauben

Der Informationswissenschaftler Dir. und Prof. a.D. Dr.-Ing. Werner Gitt (Braunschweig) ist überzeugt, dass alle Aussagen der Bibel wahr und vertrauenswürdig sind. In seinen Büchern betrachtet er oft die Wunder der Schöpfung aus naturwissenschaftlicher Sicht.

Das Interview mit Werner Gitt führte Pastor Dr. Joachim Cochlovius.

JC: Ihre Homepage wernergitt.de ist mit dem Motto „Vom Denken zum Glauben“ überschrieben. Wie ist das gemeint? Kann man durch Nachdenken Gott finden?

WG: Die Erfolge von Wissenschaft und Technik in den letzten 50 Jahren haben zu einer starken Wissenschaftsgläubigkeit geführt. Denken wir nur an den Flug zum Mond, die Sequenzierung des menschlichen Genoms oder die rasanten Fortschritte in der Computertechnologie. Durch diese Prägung finden viele kaum noch Zugang zum schlichten Wort der Bibel. Wenn Paulus sagt „denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit“ (1. Korinther 1,22), so können wir für die heutige Situation ergänzen: „Unsere Generation fragt nach wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit.“ Einem Vertreter der Evolution müssen wir mit wissenschaftlichen Argumenten begegnen. Ist der Irrtum der Evolution nachgewiesen, ist ein großes Hindernis auf dem Weg zu Gott beseitigt. Wenn nun das Evangelium verkündigt wird, gibt es keinen sachlichen Grund mehr, die Ohren zu verschließen.

JC: Wenn man die naturwissenschaftlichen Fakten in Ihrem Buch „Faszination Mensch“ studiert, kommt man aus dem Staunen nicht wieder heraus. Auch die Aussagen im 2. Teil über das Wesen des Menschen sind überaus spannend. Was ist das Besondere an der biblischen Anthropologie – der Lehre vom Menschen?

WG: Die säkulare Anthropologie basiert auf dem Materia­lismus und damit auch auf der Evolutionslehre. Der Mensch besteht demnach alleine aus Materie, und das Leben ist konsequenterweise nur ein in den Grenzen von Physik und Chemie begründbarer Materiezustand (Manfred Eigen). Bei einer derartigen Reduktion der Wirklichkeit auf ausschließlich materielle Phänomene bleibt kein Platz für eine Weiterexistenz des Lebens nach dem Tod. Der Mensch wird auf eine biologische Maschine reduziert, wobei sein absolutes Ende mit dem Tod des Organismus gleichgesetzt wird. Im Räderwerk des Evolutionsmechanismus dient der Tod dem Aufstieg des folgenden Lebens. Damit ist der Wert eines Menschenlebens nur als ein Beitrag zu sehen, den er zum evolutiven Fortschritt leistet.

Ganz im Gegensatz dazu steht die biblische Anthropologie. Danach ist der Gott der Bibel der Urheber des Menschen. Durch den von seinem Schöpfer eingehauchten Lebensodem besitzt der Mensch eine nichtmaterielle Komponente – das ist seine Seele. Da der Odem Gottes ewig ist, sind wir als Ewigkeitsgeschöpfe konzipiert. Folglich ist der leibliche Tod nicht das Ende, sondern der Beginn des ewigen Lebens. Nach dem biblischen Menschenbild geriet der Mensch im Sündenfall in den Strudel der Verlorenheit. Durch die Tat Jesu Christi am Kreuz finden wir Rettung und erlangen dadurch ewiges Bürgerrecht im Himmel. Unseren Wert beschreibt Gott in Jesaja 62,3: „Du wirst eine prachtvolle Krone in der Hand des Herrn sein und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes.“

JC: Sie beschäftigten sich eingehend mit der Tierwelt. Ich denke z.B. an Ihr Buch „Wenn Tiere reden könnten“. Wie kommt ein Informatiker dazu, sich mit diesem Themenbereich auseinanderzusetzen?

WG: Die Frage nach der Schöpfung war bei meinen ersten Glaubensschritten die stärkste Herausforderung. So fanden alle Details mein Interesse, die die Genialität und den Erfindungsreichtum des Schöpfers besonders deutlich bezeugten. Bei der unglaublichen Anzahl von Tierarten gibt es eine riesige Vielfalt von Konzepten, über die ein Ingenieur und Informatiker nur staunen kann. Fast nichts von den in der Schöpfung installierten Ideen ist kopierbar. So ist das Konzept Ei etwas Unnachahmbares. Die Industrie muss jeden Dieselmotor einzeln bauen. Wollte der Schöpfer Motoren bauen, so würde er nur einen einzigen schaffen, aber dieser hätte die Fähigkeit „Dieseleier“ zu legen. Mich haben auch andere Besonderheiten fasziniert, z.B. die präzise Energiekalkulation beim Flug des Goldregenpfeifers von Alaska nach Hawaii oder die hohe Lichtausbeute bei der Biolumineszenz oder die Fähigkeit des Pottwals, beim schnellen Auftauchen aus 3000 Metern Tiefe keine Taucherkrankheit zu kriegen.

JC: Ihr neuestes Buch „Information – der Schlüssel zum Leben“ soll „dazu beitragen, den Denkzwang des methodischen Atheismus in den Naturwissenschaften zu überwinden“. Für Wissenschaftler wie Isaak Newton war der Kosmos ein klarer Hinweis auf die Weisheit Gottes. Wie kam es denn zum Siegeszug des Atheismus gerade in den Naturwissenschaften, die Gottes schöpferische Intelligenz täglich vor Augen haben?

WG: Die beachtlichen wissenschaftlichen Erfolge im Bereich der unbelebten Natur übten eine starke Anziehungskraft auf jene Disziplinen aus, die sich mit dem Leben beschäftigen (z. B. Biologie, Physiologie). Durch die erzielten Fortschritte der Physik meinte man, auch das Leben sollte und könnte in gleicher Weise auf ausschließlich mechanistische Art erklärt werden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es somit zu einer Blüte des reduktionistischen Materialismus, der annimmt, alle Ursachen und Wirkungen seien ausschließlich physikalische Erscheinungen. Herausragende Vertreter dieser Anschauung waren Emil du Bois-Reymond (1818–1898) und Hermann Helmholtz (1821–1894). Letzterer formulierte: „Endziel der Naturwissenschaften ist, die allen anderen Veränderungen zugrundeliegenden Bewegungen und deren Triebkräfte zu finden, also sie in Mechanik aufzulösen.“ Diese Forderung wurde von vielen Biologen seiner Zeit aufgegriffen. Ernst Haeckel (1834–1919) forderte, die Wissenschaft von den Organismen „durch mechanisch-kausale Begründung“ auf das Niveau der anorganischen Wissenschaften zu heben.

So wurden in den Lebenswissenschaften schon sehr früh falsche wissenschaftliche Weichen gestellt. Nicht-Materielles gab es definitionsgemäß nicht. Kein Wunder, dass sich weltweit materialistische Ideologien (wie z. B. Faschismus, Humanismus, Atheismus und verschiedene Ausprägungen des Kommunismus, wie Marxismus- Leninismus, Stalinismus und Maoismus) bilden konnten.

Dann führte Charles Darwin (1809–1882) die Evolution der Lebewesen auf ein rein mechanisch wirksames Prinzip zurück (natürliche Auslese) und unterstützte damit den materialistischen Ansatz der Biologie.

JC: Auf Ihrer Homepage werden 12 Traktate in über 70 Sprachen angeboten. Wie kam es zu dieser umfassenden Traktatarbeit? Sind Traktate noch zeitgemäß?

WG: In unserer heutigen mit Informationen überfluteten Gesellschaft lesen nur noch wenige Leute dicke Bücher. So passen ansprechend gestaltete Traktate nach unserer Erfahrung gut in unsere Umwelt. Ist ein Traktat zu kurz, dann kann das Wesentliche des Evangeliums nicht hinreichend verständlich gemacht werden. Es hat sich gezeigt, dass 8 bis 10 Seiten im Format 21 cm x 10 cm geradezu optimal sind. Themen wie z. B. „Wie komme ich in den Himmel?“ oder „Wer ist der Schöpfer?“ können ausführlich erklärt werden, lassen sich in wenigen Minuten lesen, können bei vielen Gelegenheiten (z.B. Hotelrezeption, beim Einkauf, Postbote) leicht weitergegeben werden und sind im gängigen Briefformat versendbar. Mit dieser Konzeption begannen wir 2003. Die Nachfrage ist ungebrochen. Im Jahre 2016 wurden ca. 850 000 Exemplare versandt. Die Gesamtauflage der 12 verschiedenen Traktate in Deutsch und anderen Sprachen liegt bei über 12 Millionen.

Wie begann alles? Als ich von einem Mitarbeiter des Missions­werkes Bruderhand angesprochen wurde, ein Traktat zu schreiben, habe ich dies abgelehnt mit den Worten: „Ich habe schon viel zu tun mit dem Schreiben von Büchern ... .“ Bei nächster Gelegenheit wurde ich erneut mit dieser Frage konfrontiert – prompt lehnte ich wieder ab. Bei der dritten Nachfrage gab ich unter der Bedingung nach, nur ein einziges zu verfassen. So überlegte ich: Welches ist denn das allerwichtigste Thema? Ich entschied mich für das Thema „Wie komme ich in den Himmel?“. Nach kurzer Zeit war die erste Auflage vergriffen, und es musste nachgedruckt werden. Bald war auch diese vergriffen und die erste russische Übersetzung war ebenso ein Selbstläufer. Pastor Heinrich Kemner (1903-1993) zitierte häufig den Satz „Wir schieben nicht, wir werden geschoben!“ Nun erkannte ich, Gott hat mich offensichtlich in diese Arbeit hineingeschoben.

JC: Es gibt viele Christen, die ihren Frieden mit der Evolutionslehre geschlossen haben und zur Auffassung gekommen sind, dass Gott durch evolutionäre Prozesse erschuf und erschafft. Gefährdet diese sog. Theistische Evolution den christlichen Glauben und das persönliche geistliche Leben?

WG: Das Gedankensystem „Theistische Evolution“ lehne ich aus biblischer Sicht ab, weil es das Evangelium geradezu auf den Kopf stellt. Nach dem biblischen Bericht schuf Gott durch seine Allmacht und Weisheit eine sehr gute, also fertige und perfekte Schöpfung. Dann kam der Sündenfall in die Welt und als Folge davon der Tod. Wegen unserer Todverfallenheit kam Jesus in diese Welt, um uns zu erlösen und ewiges Leben zu bringen. Im Evolutionssystem hat der Tod eine völlig andere Funktion; er ist der erforderliche und ständige Wegbegleiter bei der Höherentwicklung. Der Gegensatz zur Bibel ist offensichtlich.

Unterstellt man eine theistische Evolution, dann hat Gott sich des Feindes „Tod“ bedient, um Leben zu schaffen. Und das ist – biblisch gesehen – eine absurde und antigöttliche Idee. Die Existenz des Todes wird damit vor den Sündenfall verlegt, und damit wird das Evangelium ausgehöhlt und unbedeutend. Ebenso gilt zu bedenken: Die Fossilien repräsentieren Tod, Leiden und massives Blutvergießen. Wenn sie nicht durch katastrophale Ereignisse, insbesondere durch die Sintflut, entstanden sind, sondern sich in Jahrmillionen bildeten, dann muss der Tod bereits vor dem Sündenfall existiert haben. In Gesprächen mit Vertretern der theistischen Evolution fällt auf, dass sie viele Teile der Bibel nicht ernst nehmen, sie umdeuten oder gar für ungültig erklären. Der Kompromiss mit der Evolution bedeutet, dass zentrale biblische Aussagen aufgegeben werden.

JC: Ihre Bücher „Wunder und Wunderbares“ und „Schatzfinder“ enthalten viele Glaubenszeugnisse. U.a. berichtet eine Australierin, dass sie durch die Evolutionslehre vom christlichen Glauben entfremdet wurde. Kommt so etwas öfter vor?

WG: Es ist sogar die logische Konsequenz! Wer die Evolu­tions­lehre akzeptiert, kann dem biblischen Prinzip, wie es Paulus bekennt „Ich glaube allem, was geschrieben steht“ (Apostelgeschichte 24,14), nicht mehr folgen. Nach meiner Erfahrung in vielen Gesprächen kippt als Erstes der Schöpfungsbericht der Bibel. Die Tatsache, dass Gott „in sechs Tagen Himmel und Erde [...] und das Meer und alles, was darinnen ist“ (2. Mose 20,11) gemacht hat, wird zuerst über Bord geworfen. Hat man dieses Fundament verlassen, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis zahlreiche weitere „Dominosteine“ der Bibel gefallen sind. Dadurch wird m.E. der größte Schaden an den Schulkindern verursacht, denn die Evolution wird als einzig gültige Lehre in Herkunftsfragen unterrichtet. Die jedem Menschen vom Schöpfer geschenkte Gabe, aus den Werken der Schöpfung unmissverständlich auf den Schöpfer schließen zu können (Römer 1,20), wird dadurch schon in jungen Jahren zerstört.

JC: Noch eine Frage zum Schluss. Was war bei all den vielen Vortrags- und Evangelisationsreisen Ihr eindrucksvollstes Erlebnis?

WG: Unvergesslich ist mir ein Vortrag im überfüllten Hörsaal der Universität Karaganda (Kasachstan) mit Kasachen, Kirgisen, Tataren, Usbeken und Russen. Im zweiten Teil meines Vortrags „Wozu gibt es Sterne?“ ging ich auf den ein, der die Sterne geschaffen hat: Jesus Christus. Der Schöpfer ist auch der Retter, der Sünde vergibt. Dann fragte ich: „Wer möchte die Botschaft Jesu für sich persönlich annehmen? Wer möchte sich durch Jesus erretten lassen?“ Ich konnte es kaum fassen: Erstaunlich viele Leute standen auf. Sie erhielten evangelistische Bücher und eine Bibel. Wenn wir von solchen Reisen zurückfliegen, denke ich oft, wie das Gehörte im Nachhinein wirken mag? Ist alles schnell verflogen, oder gibt es bleibende Frucht?

Zwei Jahre später waren wir wieder in Karaganda. An derselben Universität begrüßte uns ein Professor namens Pawel Kulikow und stellte uns als Gäste aus Deutschland vor. Ich traute meinen Ohren nicht, als ich seine einführenden Worte hörte:

„Ich begrüße den deutschen Wissenschaftler Professor Gitt ... . Vor zwei Jahren war er bereits hier gewesen und hat einen Vortrag gehalten. Ich saß damals inmitten der Studenten. Dann geschah etwas, das es in diesem Hörsaal noch nie gab: Mit freundlicher, aber entschlossener Stimme lud der Redner uns ein, eine Entscheidung für Christus zu treffen. Als Zeichen der Annahme standen damals viele Studenten auf. Auch ich erhob mich von meinem Platz – ich traf eine Entscheidung für Christus.“ Dann sprach er die Studenten an: „Ihr kennt mich. Ich lehrte viele Jahre das Fach ‚Wissenschaftlicher Atheismus‘ an dieser Uni. Jetzt bin ich Christ. Ihr bekommt heute auch die Chance, Euch zu entscheiden. Tut es!“

Gott hatte jemanden überwunden, der ein überzeugter Gottesleugner war und der jahrelang den Studenten mit wissenschaftlichen Argumenten beigebracht hatte, dass es keinen Gott gibt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde das Fach „Wissenschaftlicher Atheismus“ abgeschafft und durch die „Geschichte des Atheismus und der Religionen“ ersetzt. Zu diesem neuen Fach gab es keinerlei Lehrmittel. So verwendete er dafür mein Buch „Und die anderen Religionen?“, das es auch in Russisch gibt. Nun sprach der frühere Professor für Atheismus in seinen Vorlesungen von seinem Glauben an Gott – welch ein Wandel! Er hat später eine Radiomission für Kasachstan gegründet, um viele in seiner Landessprache mit dem Evangelium zu erreichen.

Dir. und Prof. a.D.
Dr.-Ing. Werner Gitt