Berichte von Hans und Rosi Schütze

Anfang des vergangenen Jahres haben wir bereits von Annas sehnlichem Wunsch nach einer Gemeinde berichtet. Sie ist die einzige Christin unter 2.300 Mitgliedern des T.-Stammes, die an der Grenze zwischen Brasilien und Kolumbien wohnen. In einem Radius von Hunderten von Kilometern, in dem weitere 15 Indianerstämme wohnen, gibt es nur sehr wenige Nachfolger Jesu.

Aus den drei langen Reisen, die ein 10-köpfiges Indianer-Evangelisten-Team damals schon unternommen hatte, sind inzwischen zehn Reisen geworden. Und Gott hat die Zeugnisse und evangelistischen Predigten benutzt, um zu vielen Herzen zu sprechen. Anna war natürlich immer dabei und hat im Stillen mitgebetet.

Vor einigen Monaten war es dann so weit: Bei einem Aufruf hat sich eine Familie sofort gemeldet. Sie wollten ihr Leben der Führung Jesu unterstellen. Vater, Mutter und Kinder haben diesen Schritt gemeinsam getan. Am gleichen Abend hat sich eine zweite Familie gemeldet, die auch Jesus Christus in ihr Herz aufnehmen wollte: „Wir haben jetzt schon so viel von Jesus gehört, dass wir nicht mehr so weiterleben können, wie bisher. Wenn der Sohn Gottes sein Leben für uns gab, dann wollen wir jetzt zusammen für ihn leben!“

Das ist ein sehr ermutigender Anfang. Die Dorfältesten haben bisher noch nicht zugelassen, dass ein Gemeindehaus gebaut wird, aber sie haben drei Grundstücke freigegeben, um neue Hütten zu bauen. Einige im Evangelisten-Team, unter anderem auch der Leiter Jakob, werden dort jetzt mit ihren Familien wohnen und weiter Gemeinde bauen.

Rosi und Hans Schütze, Brasilien [Echo 01/2018, Februar - März]

Manchmal werden Rosi und ich gefragt, ob wir in unserem Missionsdienst einige wichtige Prinzipien oder Grundsätze haben, die wir umsetzen wollen. Haben wir, aber die gelten auch für jeden, der Jesus Christus nachfolgen will.

1. Jesus in mir und ich in Ihm
Die Tatsache, dass wir als Reben direkt mit dem Weinstock verbunden sein dürfen, ist eins der größten Geschenke, das es gibt. Dann brauche ich nichts zu produzieren, nichts zu manipulieren. Die enge Beziehung zu Jesus ermöglicht es ihm, sein Leben in mir zu leben. Das ist sehr befreiend und schenkt tiefe Freude.

2. Achte auf dein Herz
Wir können entscheidend dazu beitragen, dass Jesus in uns und durch uns leben kann. Das Herz – also die Zentrale für unsere Gedanken, Gefühle und unseren Willen – ist sehr empfänglich für die Impulse, die es bekommt. Jesus will uns dabei helfen, schlechte Einflüsse zu meiden und gute zuzulassen.

3. Zeit mit Jesus als Höhepunkt des Tages
Als Nachfolger Jesu brauchen wir seine übernatürliche Kraft, um in unserem Leben dauerhafte Frucht zu bringen. Diese Kraft bekommen wir, wenn wir mit Jesus im Gespräch bleiben. Er redet zu uns durch sein Wort und wir dürfen ihm im Gebet alles sagen, was uns bewegt.

Hans und Rosi Schütze, Brasilien [Echo, Oktober - November 2017]

4. Nur Jesus kann unseren Kelch zum Überfließen bringen. Nirgendwo anders ist eine so tiefe Freude und Erfüllung zu finden als in der engen Gemeinschaft mit Jesus. Vergebung der Schuld, eine lebendige Hoffnung, Teil am Leib Jesu zu sein: Wenn uns diese kostbaren Schätze ausfüllen, möchten wir das gerne und ungezwungen mit anderen teilen.

5. Gute Beziehungen mit anderen Menschen pflegen. Der Mensch wurde nicht für sich selbst geschaffen. Unser Leben findet im Dienst für andere seine Erfüllung. Unser Gegenüber sollte an unserem Leben sehen, dass Jesus in uns wohnt. Wie wir mit Ängsten umgehen, wie wir Schwierigkeiten vor Jesus ausbreiten und zuversichtlich weitergehen, hinterlässt oft einen tiefen Eindruck bei anderen.

6. Keine Unterschiede bei Menschen machen. Weil Jesus für jeden Menschen starb, sollten auch wir auf jeden Menschen positiv zugehen. Ob er arm ist oder reich, einsam oder gesellig, schwierig oder nett. Gerade die Ausgestoßenen der Gesellschaft reagieren oft sehr positiv auf ehrliches Anteilnehmen.

Hans und Rosi Schütze, Brasilien [Echo 06/2017, Dezember - Januar]

Hans und ich verbringen gerade unseren Heimataufenthalt in Deutschland. Neulich begleitete ich meine fast 90-jährige Mutter zum Kardiologen.

Während meine Mutter untersucht wurde, blieb ich im Wartezimmer sitzen. Neben mir saß eine nette Frau und wir kamen über das Wetter ins Gespräch. Als ich erwähnte, dass ich durch Brasilien die Wärme gewöhnt bin, schaute sie mich an und sagte: „Sie sind aber ausgeglichen!“ Im Herzen freute ich mich über dieses schöne Kompliment, wusste aber auch, dass ich es eigentlich nicht mir zuschreiben konnte.

So sagte ich ihr, dass Jesus meine Freude ist. Im gleichen Moment erwiderte sie, dass sie früher nichts davon gehalten habe. Aber nachdem sie eine Herz-OP hatte und der Arzt ihr sagte, dass sie da aber ‘jemandem von der Schippe gesprungen sei’ (und dabei zeigte sie mit dem Finger nach oben), denke sie darüber jetzt anders.

„Wo findet man das,” erklärte ich, „dass jemand Sie und mich so sehr liebt, dass er so grausam am Kreuz stirbt, um uns von unserer Sünde zu befreien? Kennen Sie die „Neues Leben“-Bibel? Sie ist so verständlich geschrieben, dass man gar nicht mehr aufhören möchte zu lesen.” „Ich hatte eigentlich noch nie eine Bibel,” erwiderte sie. „Es ist so etwas Besonderes, wenn Sie erleben, wie Gott durch sein Wort zu Ihnen spricht. Sie bekommen die Bibel in dem christlichen Buchladen gegenüber der Drogerie.”

Bevor sie dann zum Arzt gerufen wurde, bedankte sie sich nochmals. Möge sie Jesus in Wahrheit begegnen.

Rosi Schütze, Brasilien
z.Zt. im Heimataufenthalt [Echo, August - September 2017]