Berichte aus der Arbeit von Amadeus Vadonis

So einen Winter hatten wir noch nie erlebt! Sonne, blauer Himmel, 32 Grad abends um halb sieben. Wir waren in Chihuahua in der Nähe von Santa Cruz. Wilhelm war erneut von der Gemeinde „Eben Ezer“ eingeladen worden, um dort Ende Juli im bolivianischen Winter zu evangelisieren. Ich war als sein Evangelistenbegleiter mit dabei. Christian hatte Michael als Begleiter mitgenommen. Sie zogen nach einer Woche weiter zu einer Evangelisation in die Gemeinde „Neues Leben“ in Hohenau.

Wir kamen am Freitag an. Am nächsten Morgen starteten wir schon um 6:00 Uhr mit einer Männergebetsstunde. Danach gab es ein gemeinsames Frühstück und anschließend eine wichtige Motivationsversammlung für die Gemeinde.

Wir vier trafen uns auch sonst mehrmals am Tag zum Gebet. Jeden Tag gab es eine Abendveranstaltung und Wilhelm war der Hauptredner. Am Sonntag hatten wir zwei evangelistische Versammlungen.

Wir drei jungen Mitarbeiter konnten jeden Morgen in verschiedenen Schulklassen Andachten übernehmen, die sehr gut bei den Schülern und Lehrern ankamen. Ich selbst hatte in meinem Bibelunterricht die jüngsten Schüler. Es hat mich gerührt zu sehen, wie begeistert die Schüler und Lehrer dem roten Faden von Gottes Heilswirken – von der Schöpfung der Welt an bis zum ersten Kommen Christi – gefolgt sind.

Hätte ich „Ja“ gesagt, wäre der Jubel noch lauter geworden. Die sieben bis elf Jahre alten Kinder wollten mich überzeugen, dass ich nach Deutschland fliegen, dort meine Frau Sofia und unsere vier Töchter holen und dann wieder zu ihnen zurück nach Bolivien kommen sollte. Ihr Plan: Ich sollte einer ihrer Lehrer an der Schule in Chihuahua werden.

An den Abenden bekehrten sich viele junge Leute zwischen 7 und 17. Auch Erwachsene kamen zum rettenden Glauben an Jesus. Dafür danken und loben wir unseren Herrn.

Herausfordernd war es, zu erfahren, wie die Unbekehrten in der Gegend jene behandeln, die sich zu Jesus bekehren. Ihr eigenes Leben ist eigentlich von einer großen Hoffnungslosigkeit gezeichnet, die sich oftmals in Alkoholismus ausdrückt. Jesus als ihren Retter kennen sie normalerweise nicht, obwohl sie als christlich gelten. Wer sich bekehrt, wird aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in ihren Siedlungen sofort ausgeschlossen. Eine solch geistliche Finsternis haben wir selten erlebt. Sie machte uns oftmals sprachlos.

Matthäus 4,16 trifft die Situation auf den Kopf, wo Jesus aus dem Buch Jesaja zitiert: „Das Volk, das in der Finsternis wohnte, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land des Todesschattens wohnten, ist ein Licht aufgegangen.“

Wir erlebten die Finsternis der Unbekehrten, ihre Hoffnungslosigkeit wie auch ihre Heuchelei. Aber das Licht in und durch Jesus haben wir auch erlebt – die Freude im Leben derjenigen, die sich zu Jesus bekehrt haben.

Es waren Tage des geistlichen Kampfes, die wir durch die Gnade Jesu und euer Mittragen im Gebet zur Ehre Gottes gut vollendet haben. Ein großes Dankeschön geht an alle, die für diesen Einsatz gebetet haben!

Amadeus Vadonis [Echo, Oktober - November 2017]

Amadeus VadonisSeit gut drei Monaten bin ich als Evangelist im Missionswerk Bruderhand angestellt. Die erste Zeit war davon geprägt, sich gegenseitig kennenzulernen und zu sehen, wie ich mit meinen Gaben am besten dienen kann. Das Besondere an meiner Situation ist, dass ich ein Evangelist bin, der nicht in der Nähe des Missionswerkes wohnt, sondern etwa drei Stunden entfernt in Berlin stationiert ist.

Um trotzdem so schnell wie möglich in die DNA des Werkes hineinzufinden, habe ich in Absprache mit der Leitung und dem Vorstand des Missionswerkes längere Anwesenheitszeiten in Oppershausen verabredet. So war ich das erste Mal im Juni für eine Woche vor Ort. Diese Zeit habe ich als sehr wertvoll empfunden. Im Juli werde ich Wilhelm Pahls auf eine Evangelisation nach Bolivien begleiten. Ich freue mich darauf, von Wilhelm so viel wie möglich zu lernen und den Menschen zu dienen.

Gerade komme ich von einem Vorbereitungswochenende in Bad Oeynhausen mit Beat Abry zurück. Auch die entsprechende Evangelisation mit ihm im September möchte ich gern erleben. Die Mennonitengemeinde in Bad Oeynhausen war so freundlich, mir beides zu ermöglichen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bedanken. Gern habe ich am Sonntagnachmittag in ihrer Jugendstunde eine evangelistische Predigt gehalten.

Im Juli werde ich zum zweiten Mal in der Baptistengemeinde Eisenhüttenstadt predigen, wie auch Anfang September. Dieser kleinen Gemeinde hat Jesus eine große Arbeit mit Flüchtlingen anvertraut. Die Predigten werden normalerweise auf Farsi übersetzt.

In Berlin arbeite ich ehrenamtlich mit Visioneers zusammen. Diese Organisation kümmert sich hauptsächlich um unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Ich wurde gebeten, die Mitarbeiter geistlich bei dieser herausfordernden Arbeit zu begleiten, zu ermutigen und ihnen eine beratende Stütze zu sein. So wachse ich nach und nach in meine neue Rolle hinein und freue mich über die Dienste, mit denen ich den Gemeinden helfen kann.

Amadeus Vadonis [Echo, August - September 2017]