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Robinson-Geschichten

Folgende Texte sind entnommen aus dem bislang unveröffentlichten Manuskript von Siegfried Korzonnek: „Robinson-Geschichten – Wie ein einfältiger Mann mit der Bibel die Welt eroberte“ (© Siegfried Korzonnek).

Kapitel 1

Als ich auf meinem Rasenmäher saß und den vorletzten Schnitt des Jahres machte, hatte ich Gedanken, die alles andere um mich herum zweitrangig erscheinen ließen: Ich befand mich auf einer weit entfernten Insel. Hier lebte noch nie ein anderer Mensch. Nur ich allein und ein uraltes Buch, das ich irgendwo auf jener Insel fand. Auf dem Deckel des Buches standen die Buchstaben: B I B E L

Als ich jenes Buch das erste Mal las, erfuhr ich, dass ich nicht allein bin. Es gibt einen, der all das Schöne, das ich sah, all das, was um mich herum ist, erschaffen hatte. Ich sagte: „DU musst gut sein. Und schön. Und allmächtig. DIR muss nichts unmöglich sein.“

Und es war, als empfand ich eine Stimme: „Ja, es gibt mich. Ich bin schön. Ich habe dich gemacht. Und alles um dich herum habe ich geschaffen. Ich bin gut. Ich bin Gott, der Allmächtige. Mir ist nichts unmöglich. Nichts ist mir unmöglich.“

Und dann erfuhr ich in jenem Buch, dass es auch noch andere Menschen gibt: Ich las von Adam und Eva. Und von all den anderen Menschen, von denen das Buch berichtete, das ich nun mit immer größer werdendem Interesse las. Sie alle hatte Gott gemacht?!

Aber ach … ich las weiter … und ich las: Sie alle waren schlecht und liefen Gott davon. Die ganze Welt lief von Gott weg. Ein breiter, sehr breiter Weg war zu sehen, auf dem sie alle waren und von Gott wegliefen.

„Ach, dass Du den Himmel zerrissest und führest herab“, rief ich. „Komm doch herab vom Himmel. Sag Deinen Menschen, dass sie nicht wegzulaufen brauchen, nicht weglaufen sollen von Dir!!!“ Ich konnte kaum meine Tränen verbergen.

Und dann war es mir, als sagte das Buch, in dem ich nun immer weiter las: „Ich habe den Himmel zerrissen. Ich bin heruntergekommen!!!“

In Windeseile verschlang ich die Worte, die im zweiten Teil des Buches nun von dem sprachen, der heruntergekommen war: Sein Name war JESUS, wie ich nun erfuhr. „Dann ist JESUS Gott!!! Und Gott ist JESUS!!!“, rief ich beim weiteren Lesen des Buches voller Freude.

„Ich bin gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“, las ich.

„Petrus, den einfachen Fischer, Lukas, den Menschenfreund und Arzt, Matthäus, das Schlitzohr, Paulus, den Intellektuellen. Sie alle waren verloren gewesen? Sie alle hast Du mit Dir versöhnt? Sie alle sind nun Deine Freunde?“

Und dann las ich weiter – es gab auch Briefe in diesem Buch. Ich erfuhr: Gott will, dass alle Menschen zurück kommen zu Ihm. „Auch ich möchte zurück zu Gott!!!“, rief ich ganz laut in den Himmel hinein.

Und während ich immer noch auf meinem Rasenmäher daher fuhr, sah ich in meinen Gedanken, wie ich niederkniete und rief zu dem Gott, von dem ich in jenem Buch erfuhr: „Ich will nicht fortlaufen von Dir. Zieh mich zu Dir. Rette auch mich und lass mich DEINE Wahrheit erkennen.“

Kaum ausgesprochen, schien Gott, von dem ich in diesem Buch las, zu antworten: „Als du dich demütigtest und dich hinknietest und mich batest, dir zu vergeben und dich zu retten, da habe ich dich erhört. Ich nahm deine Sünden von dir und versetzte dich sofort in mein Reich.“

Sodann rief ich mit lauter Stimme: „Und die anderen Menschen?!!!“ Die anderen Menschen – die auf den fünf großen Inseln und den vielen anderen kleinen Inseln. (Denn ein Bild, auf dem alle Teile der Erde abgebildet waren, fiel aus dem Buch heraus auf den Boden.) Ich betrachtete jenes Bild der Erde für lange Zeit.

„Dich will ich senden! In diese Welt. Zu den Menschen dieser Welt!!! – Sie alle sollen zurück kommen zu mir. Ich will Sie erneuern wie dich und in meinen ewigen Himmel bringen, wie dich!!!“

„Aber wie? Wie soll ich hinkommen zu all den Vielen, zu den vielen Menschen?“

„Hast du nicht selbst gelesen in dem Buch, das du in deinen Händen hältst und gerade liest, dass ich der Allmächtige bin? Was siehst du zu deiner Rechten auf dich zukommen?“

„Ein großes Schiff!“

„Das wird dich dorthin bringen, wohin ich dich senden will.“

„Wer wird all das bezahlen, die Fahrt mit dem Schiff und …?“

„Mein ist Silber und Gold. Mir gehören die Tiere auf dem Feld. Alle Schiffe sind Mein und müssen tun, was ich sie zu tun heiße.“

„Aber ich kann nicht gut reden: Die Menschen werden mich nicht verstehen auf den fünf großen Inseln und den vielen kleinen.“

„Wer ist es, der dem Menschen die Zunge gab?“

„Und ich bin schwach. Das alles wird mir zu viel.“

„… Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

„Darum gehe Du hin in alle Welt und verkündige das Evangelium aller Kreatur, und siehe, ich bin bei dir alle Tage bis an das äußerste Ende der Welt und bis an das Ende dieser Weltzeit.“

Kapitel 2

„Wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?“ – Lukas 18,8

Irgendwann, nein, eigentlich gleich nachdem das Schiff geankert hatte und ich hineingestiegen war, kam ich dann weg von meiner Insel, auf der ich das Buch gefunden hatte, von dem ich später erfuhr, dass es DIE BIBEL war.

Während meiner Verschlagenheit auf jene Insel las ich sehr viel in „meinem Buch“. An manchen Tagen waren es 100 Seiten oder noch mehr. Ich las so viel darin, dass es nach 28 Jahren völlig aus dem Leim gegangen war und nur noch aus einzelnen Blättern bestand. Ich führte genau Buch. Bei jedem Neuanfang des Durchlesens dieses kostbaren Buches machte ich einen Strich auf der ersten Seite meiner BIBEL. Und heute machte ich, nach fast drei Jahrzehnten, den 82. Strich.

Aber je mehr ich nun darin las, desto mehr war ich erstaunt.

Ich hatte ja gesagt, dass ich ganz allein auf der Insel war. Zu dieser Zeit meiner Verschlagenheit auf die Insel konnte ich mich mit bestem Willen einfach nicht daran erinnern, vorher auch je einem zweiten Menschen begegnet zu sein, der ebenfalls solch ein interessantes Buch in der Hand gehabt haben konnte. Jedenfalls dachte ich, es konnte nicht so gewesen sein!

Denn ich wunderte mich sehr, dass so wenig von dem, was ich an herrlichen Dingen in diesem Buch las, bei den anderen Menschen, die ich früher kannte, Auswirkungen hatte. Hätten sie, wenn sie dieses Buch auch in die Hände bekommen hätten, und wenn sie es wirklich gelesen hätten, nicht auch die vielen Wunder erleben müssen, von denen in diesem Buch geschrieben war?

Und wäre die Welt, in der wir leben, nicht eine völlig andere geworden, wenn es wirklich noch mehr Menschen gäbe, die all das, was ich las, wirklich geglaubt hätten?

Und doch! Es muss so sein, dass auch andere Menschen vor mir dieses Buch schon gelesen haben müssen: Ganz dunkel kann ich mich, während ich dieses hier zu Papier bringe, an eine bestimmte Zeit vor meiner Verschlagenheit auf jene Insel erinnern. In meinen Gedächtnisgrüften kommen mir jetzt, wo ich genau darüber nachdenke, Begegnungen in den Sinn, die schon viele Jahre her sein müssen.

Jetzt kommt alles wieder zum Vorschein: Einmal war ich (es war wie gesagt lange her) schon einmal Menschen begegnet, die wohl dasselbe Buch in der Hand hatten wie ich. Es waren mehrere Menschen. Ja, eine ganze Gruppe war es, die sich in einem größeren Raum zusammenfand. Nachdem ein paar Lieder gesungen wurden, stellte sich plötzlich ein Mann vor diese Menschenansammlung und lobte für alle Anwesenden unüberhörbar den Inhalt eines großen Buches, das er in den Händen hielt. Auf diesem Buch las ich in goldenen Buchstaben eingeprägt die Worte: „Heilige Schrift“.

Er zitierte aus diesem Buch Worte, die davon erzählten, was Jesus in den Tagen tat, als er noch unter den Menschen wandelte – auch von den Aposteln. Und jetzt erinnere ich mich mehr als genau, wie ich in der letzten Reihe stand und immer mehr in den Himmel erhoben wurde, ähnlich wie der Mann, der vor der Gruppe sprach:

„Ich muss euch sagen, dass ich so gerne dabei gewesen wäre, als Jesus auf der Erde wandelte“, sagte der Mann da vorne. „So gerne wäre ich Petrus gewesen, in dessen Boot Jesus gestiegen war“, fuhr er fort. „Wie sehr wünschte ich, Johannes gewesen zu sein, der sich an Jesu Brust lehnte. Wie oft dachte ich schon: Wäre ich jener Saulus gewesen, der während des Rittes nach Damaskus vom Pferd fiel. Der die Stimme unseres Heilandes hörte. Wie selig wäre ich, könnte ich dabei gewesen sein, als Jesus die großen Wunder tat: wie der Herr 5000 mit ein paar Fischen und Broten sättigte, die Schwiegermutter des Petrus heilte und die Tochter des Jaïrus. Wie Jesus den Jüngling zu Nain und den Bruder Marthas und Marias vom Tode zum Leben erweckte. Wie sehr wäre ich bereit, ein Gelähmter zu sein, nur um von den Vieren zum Heiland gebracht, durch das Dach auf vier Seilen heruntergelassen zu werden, vor Jesu Füßen zu liegen, um dann von ihm – direkt aus dem Munde des Heilandes – die Worte zu vernehmen: ‚Dir sind deine Sünden vergeben‘ – und dann zu hören: ‚Steh auf, nimm dein Bett und geh!‘ Wie war es doch, als die 70 auf Jesu Geheiß hinausgingen und dasselbe vollbrachten, wie ihr Herr es tat. Wie gewaltig war es, als nach der Auferstehung Jesu nun Petrus einen Bettler irgendwo liegen sieht und sagt: ‚Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu – steh auf und wandle!‘ Ja, wäre ich in der Haut des Paulus, der das Evangelium verkündigte: nicht wie die anderen Schriftgelehrten und Pharisäer, nein, in mächtiger Kraft, in Erweisung von Zeichen und Wundern. Der Gottes Wunder auf jenem Schiff beim Seesturm erlebte; der erlebte, dass das Gift der Schlange, die ihn biss, ihn nicht zu Tode brachte. Wollt ihr … wollt ihr … das auch?“

Die Spannung war nun wirklich nicht mehr zu ertragen. Und nun erwartete ich, wie aus einem großen Chor ein Massenschrei all derer, die im Raum saßen, ein gewaltiges, ein einmütiges, ein in die Welt dröhnendes, nicht überhörbares „Jaaaaa!!! Das wollen wir!!“ ausgehen würde.

Aber ich hatte euch noch gar nicht gesagt, dass die Stimmung im ganzen Raum ganz plötzlich – in Bruchteilen von einer Sekunde auf die andere – plötzlich steil nach unten kippte und jener Glanz aus dem Gesicht des Mannes wich, der vor der Menschengruppe stand. Und auch die Stimme dieses Mannes verlor wie in einem Sturzflug seine Höhenlage und Begeisterung.

Wie gebannt, noch von der Herrlichkeit seiner eben gesprochenen Worte, ähnlich wie ich, in himmlische Sphären versetzt, verkrampften sich in derselben Sekunde, wie beim Redner, der eben noch von dem HERRLICHEN berichtete, die Gesichtszüge sämtlicher anderer Hörer. (Ich saß zwar ganz hinten, aber ich konnte doch die Gesichter mindestens eines Drittels aller Zuhörer genau beobachten.) Wie in einem Drama – ich hatte mal so etwas vor Jahren als Heranwachsender in einem Theater erlebt – wie in einem Drama kippte jetzt die Stimmung im gesamten Hörsaal um!

„Ich muss Euch etwas sagen, liebe Freunde“ – waren nun die Worte des Mannes da vorne. Die Spannung stieg fast ins Unerträgliche. Was wollte der Mann denn nun sagen? (Man konnte hören, wie plötzlich die Haarnadel einer anwesenden Hörerin auf den Filzboden fiel.)

„Ich muss euch etwas sagen“, rief er noch einmal mit Pathos vermischter Stimme in die Menge.

Anstatt nun – wie man erwartet hätte – die Zuhörer jener Versammlung mit neu gewonnenem Glauben und Siegesgeschrei nach Hause und in die Welt zu schicken, in die Welt, die so dringend das ganze Evangelium benötigt, legte der Mann das große schwarze Buch zur Seite und holte ein recht zerfleddertes, ziemlich vergilbtes, mit Eselsohren versehenes, mir viel dünner erscheinendes Büchlein hervor.

„Es gibt ein Problem“, begann er zu verkünden, indem er aus diesem mich völlig verwirrenden, dubiosen Büchlein zitierte. „Jesus sei nun nicht mehr derselbe wie vor fast 2.000 Jahren“, meinte er. „Was er damals getan habe, das tue er heute nicht mehr“, machte er uns allen, die wir voller Hoffnung waren, nun klar. „Auch die Zeit der Apostel und aller Wunderwirkungen seien vorbei.“

Mit diesen Worten schickte der Mann seine Hörer nun nach Hause. Nein, bevor er sie nach Hause schickte, lud er sie noch ein, in der nächsten Woche wiederzukommen …

Das alles ist mindestens 30 Jahre her.

Jetzt, nach so vielen Jahren der Überlegung, und in meinem Nachsinnen über diese Begebenheit wie von einem Donnerschlag getroffen und in tiefe Traurigkeit versunken, hatte ich die Antwort auf meine verwunderte Frage gefunden: Ich wusste nun, weshalb bei so vielen, die dieselbe BIBEL besaßen wie ich, das Lesen derselben so wenig Auswirkung hatte, und weshalb so wenig von der Herrlichkeit Gottes durch diese Menschen in die verlorene Welt getragen wurde, denn das Lesen all der wunderbaren Dinge, die ich durch das Lesen meiner BIBEL erfuhr, nützte ihnen nichts, weil es bei ihnen nicht mit GLAUBEN verbunden war. Sie lernten immerzu, aber lernten doch nichts hinzu.

Doch so sollte es nicht in meinem Leben sein. Das schwor ich mir …

Kapitel 3

Ich musste plötzlich an all die anderen Menschen denken, denen ich hier auf dem großen Schiff bereits begegnet war: die Leute, die an dem Tresen standen und zollfrei Stangen Zigaretten oder eine Flasche teuren Whisky kauften, und die Verkäufer, die den Käufern halfen, eine kleine Karte in einen kleinen Schlitz zu schieben.

Und was war mit all den anderen, die in den zwei großen, blau angemalten Kuhlen voller Wasser herumtollten? Die fein gekleideten Frauen und die herausgeputzten Männer, in Smoking-ähnlichen Anzügen gekleidet, die ich in den großen Essräumen erblickt hatte. Gab es hier auf dem ganzen Schiff wohl auch nur einen einzigen Menschen, der je solch ein BUCH, wie ich es besaß, in die Hände bekommen und darin gelesen hatte?

Für einen kurzen Augenblick war es mir, als wäre mir schummrig vor Augen, und ich dachte: Was, wenn ich der Einzige wäre, der je von diesem herrlichen Heiland erfahren hätte? Was, wenn ich der Einzige wäre, der Seine Stimme je gehört und vernommen hätte? Was, wenn ich der Einzige wäre auf Erden – und der Einzige auf diesem Schiff –, der Zugang hätte zu diesem wunderbaren Schöpfer? 

Ich blätterte wieder in meiner BIBEL herum und las an einer Stelle, ziemlich am Ende des ersten Drittels die Worte: „Wenn wir schweigen und warten, bis es heller Morgen wird, so wird uns Strafe treffen“ (2. Könige 7,9). – „Was denn verschweigen?“, wollte ich wissen, nachdem mir dieser Satz in die Augen sprang.

Ich wollte es unbedingt wissen. Und so las ich die ganze Geschichte.

„... wird uns Strafe treffen“, wenn wir den anderen nicht sagen, dass es Speise zur Rettung gibt. Welch eine Verantwortung hatten diese vier Aussätzigen, von denen ich nun in diesem biblischen Bericht las! Es war nämlich so: Eine ganze Stadt war zur Zeit des Propheten Elisas belagert und ausgehungert worden. Aber Gott hatte all das ja mitbekommen und die Feinde Israels in Panik versetzt. Fluchtartig hatten die Belagerer Samarias alles verlassen: Die erstklassigen Rüstungen und all ihre gute Verpflegung – all das hatten sie einfach vor den Toren der Stadt liegengelassen. Die in der Stadt Eingeschlossenen hatten von all dem nichts bemerkt. Und die meisten waren dabei, schon sehr bald des Hungertodes zu sterben.

Die Einzigen, die die plötzliche Flucht der Belagerer mitbekommen hatten, waren vier Männer, die die Stadt nicht betreten durften, weil sie Aussätzige waren. Ausgerechnet diese „Elenden“ waren es, die jetzt vor ihren Augen all das sahen: Berge von Speise, durch die ihre ganze Stadt gerettet werden könnte.

Was wäre wohl geschehen, dachte ich, wenn diese, die als Erste von Gottes wunderbarer Rettung erfuhren, wenn sie all das, was sie „gefunden“ hatten – den ganzen „Reichtum“ – für sich allein behalten hätten. Wenn sie den anderen nicht gesagt hätten, dass genügend „Speise“ da ist, die vor dem Tode rettet.

Die vier wären an Überfresserei gestorben! Ihr Magen wäre geplatzt, während die anderen verhungert wären.

Und die ganze Ausrüstung, die sie vor der Stadt gefunden hatten! Die brauchten sie nur aufzuheben und zu „benutzen“. Welche Reichtümer hatten diese vier jetzt!!!

Beim Nachsinnen über das, wurde mir plötzlich klar, was wohl mit den „Reichtümern Christi“ gemeint sein könnte, von denen meine BIBEL berichtet.

Wie sollte ich nun all den vielen, die nichts wussten von dem Gott, der sich nach ihnen sehnt – wie sollte ich all den vielen auf dem großen Schiff beweisen, dass es einen Gott gibt? Dass Er nicht eine leblose Figur ist, nicht nur ein stummer Götze, sondern DERSELBE, der Er damals war – damals, als Er zusammen mit Petrus, Johannes und den anderen auf der Erde wandelte.

Jetzt war mir klar: Gott ließ mich die BIBEL finden, damit ich „all dem glaubte, was geschrieben steht.“ Ich hatte meine BIBEL in die Hand bekommen, damit mein zukünftiges Leben und all mein Tun eine Grundlage fände durch genau dieses BUCH:

Genau dieses BUCH – die BIBEL – sollte mich inspirieren und glauben lassen, dass Jesu damaliges Auftreten in Israel erst der Beginn und das gültige Muster sein sollte für Sein zukünftiges Auftreten in der ganzen übrigen Welt – bis zum heutigen Tage.

Durch Seinen Geist würde JESUS das durch uns fortsetzen, was in Israel seinen Anfang nahm. Diese Erkenntnis veränderte alles! Sie sollte mir zum Paradigmenwechsel meines gesamten Lebens werden.

Und wieder überkam mich ein gewaltiges Schaudern, als ich darüber nachdachte und mir dies klar wurde. Und jetzt musste ich auch wieder an jene Gemeindeversammlung denken, die ich vor über 30 Jahren besuchte. Ich musste an die Menschen denken, an all die lieben Leute, die jenem Prediger zuhörten, der ständig sagte, dass die Taten der Apostel heute nicht mehr möglich seien.

Hätte doch dieser Prediger niemals dieses kleine zerfledderte Büchlein gekauft, aus dem er ständig neben der BIBEL zitierte. Und hätte er es, wenn er schon selber dadurch geschwächt war – hätte er dieses todbringende Virus doch nur nicht auch an die anderen weitergegeben!

Wie dicht waren all diese Geschwister dran an der Wahrheit und an dem Erleben all dessen, was die BIBEL bezeugt, was die Apostel glaubten und erlebten und was weltweit zu funktio­nieren scheint, wenn man die Schrift nicht beschneidet.

Sie hätten es nur zu glauben brauchen, und all das, was sie lasen, das wäre geschehen.

Kapitel 6

Alle Straßen, die ich sah, betrat ich. Denn in dem Buch, das ich las, in ihm las ich die Worte: „Gehet hin in alle Welt.“ So war es richtig, dass ich nicht auf dem Schiff blieb. Denn ich las, dass auch Petrus, der ersten Jünger einer, die Worte von Jesus hörte: „Verlass das Schiff! Komm zu mir auf das Wasser!“ Und ich dachte: Das Meer, auf dem Jesus damals ging, das Meer war die Welt!

Aus dem schönen Himmel hat Gott Jesus geschickt und in die Welt gesandt. Denn Gott will, dass „alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden“, vernahm ich in klarem Ton. Und so ging auch ich in diese Welt. Denn das Schiff war nicht mehr da, in das ich zurück konnte. Und ich konnte mich nicht mehr darin bergen und nicht mehr verbergen. Denn das Schiff war doch nur da, um mich dahin zu bringen, wo die anderen sind. Wo die waren, die verloren waren.

Und ich dachte für einen Augenblick: „Wie wäre es, wenn ich dächte, dass ich geboren bin, um nur im Schiff zu sitzen. Wenn ich mich immer nur freute über die schöne Kajüte. Und über die drei großen, blau angemalten Wasserlöcher, in denen die Vielen herumtollten und sich freuten. Und wenn ich nur in dem Raum bliebe, wo die vielen Schönen und die vielen Eleganten saßen, die sich freuten, wenn sie aus dem Fenster schauten auf die große blaue See. Und die sagten, dass sie sich freuten, dass sie nicht draußen seien bei den Fluten, die an das Schiff prallten.“

Doch dann wurde ich unterbrochen durch ein Kind, das ich, als ich gen Himmel schaute, fast zertreten hätte. Denn ich war nur mit dem Himmel beschäftigt. Und ich hatte keinen Blick für das, was unten war, und für die, die unten waren. Und ich schaute weg vom Himmel. Für eine Zeit lang. Weil es genügte. Denn der Himmel hatte mich gestärkt für das, was kam und noch kommen sollte. Denn ich hatte, als ich gen Himmel schaute, vernommen: „Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

Und gestärkt durch das, was in mein Herz fiel, wandte ich meinen Blick auf das Kind, das ich fast zertreten hatte. Und es war ein kleiner Junge. Zerlumpt, zerzaust. „Ein Straßenjunge“, sagte mir ein Mann, der zusammen mit mir vor kurzem mein Schiff verlassen hatte. „Ein Straßenjunge. Denen darf man nichts geben“, hörte ich diesen Herrn reden, während er bemüht war, in seiner Manteltasche herumzuwühlen, um zu sehen, ob darin noch sein Geldbeutel sei. Denn er hatte gehört, dass Straßenjungen nur Diebe seien. Und dass man denen nicht zu nahe kommen sollte. „Doch dieses ist die Welt, in die mich Jesus geschickt hat“, rief ich dem Mann hinterher. Aber der hatte nicht mehr vernommen, was ich rief. Denn er ging schnellen Schrittes auf die andere Seite der Straße, an den Ort, wo kein Bettler war.

„Wo kommst du her?“, fragte ich den wohl Siebenjährigen, der nun aufstand und dicht an mich kam. „Der ist kein Dieb“, sagte ich mir, und ich hielt den Koffer nicht fest, den ich bei mir hatte. Denn ich wollte nicht so sein wie der, der diesem allen entfloh und der auf die andere Straßenseite ging. „Wo kommst du her?“, sagte ich dem Jungen mit den dunklen, fast schwarzen Augen und dem dunklen Haar, ein zweites Mal. „Wo alle herkommen: aus Weiß-ich-nicht“, sagte der Junge in traurigem Ton. „Weiß-ich-nicht heißt der Ort, wo wir alle herkommen. Ich und die anderen in diesem Teil der Stadt. Wir alle wissen nicht, wo wir herkommen. Darum sitzen wir hier, weil wir nicht wissen, wer unser Vater und wer unsere Mutter ist.“

Und als er das sagte, schaute ich weiter um mich her. Und siehe, ich sah, dass es noch andere waren, die an den Straßenrändern saßen und aussahen wie er, den ich fast zertrat. Und ich bemerkte, dass Tränen in meine Augen kamen. Und ich versuchte, dass es niemand sah. Und ich grub in meinem Koffer herum. Und weil ich grub, darum fand ich etwas. Denn wer sucht, der wird auch etwas finden, wurde mir im Buch gesagt.

Und ich fand, wie mir versprochen wurde. Etwas, das aussah wie etwas, das man essen konnte. Und eine kleine braune Münze fand ich in meiner Hosentasche, nachdem ich lange herumsuchte und für einen Augenblick dachte: „Das ist nur ein Hosenknopf!“ Und ich dachte für einen Augenblick: „Was hilft‘s? Reicht der kleine Happen aus für so viele? Kann eine Münze diesen sättigen und die Vielen, die auch noch da waren?“

Und ich dachte: „Das ist‘s, das ich schon mal vernahm, als ich in dem Buch las von dem anderen Jungen, der so Viele speisen sollte mit so Wenigem, das er hatte.“ Und ich tat, was der Junge machte, als so Vielen hungerte, und ich gab das wenig Essbare und die kleine Münze dem, der nichts hatte. Und ich gab es im Glauben, dass Gott im Himmel es sähe. Denn das Wenige, das ich gab, das war mehr als das Viele, das der Mann von vorhin hätte geben können. Denn ich gab alles, was ich hatte. Und das war mehr als alles andere.

Und ich hörte nicht auf die Stimme, die mir nun sagen wollte: „Tu es nicht! Du brauchst es später! Spare es für irgendwann!“ Denn ich dachte: „Hätte so der Junge gedacht, der alles gab, ohne zu rechnen!! Dann hätte Jesus kein Wunder getan. Und dann wären die 5.000 nicht gespeist. Und die anderen 15.000 wären verhungert! Und die Vielen hätten nicht gesehen, dass Gott ein Gott der Wunder ist. Und dass der Wunderbare wunderbar ist. Und es wäre niemals geschrieben, was ich las in meinem Buch über die zwölf Körbe, die noch übrig waren. Und … Und ich wollte nicht nur lesen von dem, was Jesus tat. Wie so viele, die so viel wissen und daraus nicht lernen. Denn alles war geschrieben, nicht zur Leere, sondern zur Lehre, damit wir glauben und sehen und tun.“

Und ich tat. Damit ich nicht ein Hörer sei, wie so viele, sondern ein Täter des Wortes und ich Gott gefiele. Und ich mich nicht selber betrüge. Denn man kann viel sprechen über das, was in dem Buch geschrieben ist. Man kann viel lesen und doch immer wieder vergessen, wenn man nicht tut, was Gott sagt. Ständig hören und doch nicht lernen. Die Sprüche der Weisen lesen, aber nie weise werden. Von denen muss es viele geben, denn es gibt so viele, die hören, aber so wenig, das geschieht auf dieser Welt.

Und so hörte ich auf zu rechnen. Denn ich wollte mit Gott rechnen. Und ich gab dem Jungen, was ich hatte. Und nichts, was ich hatte, gab ich dem Jungen nicht. ALLES! Denn: „Gib, und dir wird gegeben“, las ich, als ich in meinem Buch las. Und ich glaubte, dass der, der Himmel und Erde machte aus einem Wort, der kann machen, dass genug Saat da ist zu streuen, damit viel Frucht erwächst. FÜR ALLE! Denn Gott will, dass ALLE zur Erkenntnis kommen. Dass allen geholfen wird und sie gerettet werden, las ich schon zweimal an diesem Tag.

Und ich glaubte allem, was geschrieben steht. Und so dachte ich: „Es muss so sein, dass das, was geschrieben steht, Wahrheit ist. Und Weisheit. Nicht dieser Welt Gedanken! Aber des Himmels Gedanken!“ So wollte ich himmlisch sein und nicht irdisch. Denn Himmel und Erde werden vergehen, aber Gottes Worte nicht, erinnerte ich mich.

Und so blickte ich auf gen Himmel. Und ich rief mit lauter Stimme: „Gib Du jetzt auch, denn ich habe gegeben! Denn diese Erde ist arm. Und Du im Himmel bist reich. Silber und Gold sind Dein! Und alle Tiere gehören Dir, sagtest Du in Deinem Wort. Du brauchst keinen Reichen, du nimmst der Armen Pfennig. Und machst daraus, was Dir gefällt. Wie damals. Im Tempel. Und bei dem Jungen mit den fünf Broten und zwei Fischen!“

Und ich sprach zu dem Jungen auf der Straße: „Nimm hin und iss.“ Und der Junge sagte: „Niemals sprach ein Mensch solche Worte zu mir!“ Und ich sagte ein zweites Mal: „Nimm hin und iss. Es ist alles, was ich habe. Ich gebe es dir, damit du lebst.“ Und ich sah, dass der Junge nahm, was ich ihm gab. Und er nahm und aß mein Letztes, das ich hatte. Und ich gab ihm die Münze, die ich noch fand. Und ich sagte: „Wenn du mehr brauchst, dann sage es mir!“ Das sagte ich im Glauben. Denn ich sah, dass ich nicht mehr hatte in meiner Tasche als das, was ich dem Jungen gab, der vor mir lag!

Und ich ging weiter die Straße entlang. Und ich sah, wie groß die Stadt war. Und ich dachte: „Wie soll‘s gehen? Denn noch andere sind‘s, die darnieder liegen.“ – „Auch sie will ich in meinen Stall führen“, meinte ich, eine Stimme zu vernehmen. Und ich rief in die Stadt hinein. Gen Himmel und auf die Straße! Ich rief: „Sende mich!“ Und ich merkte, dass es die Stunde war, da Gott mich rief!

Und Gott brannte es ein in mich. Denn die Worte waren wie ein Brenneisen. Und sie wurden versiegelt in meinem Geist. Und Gott machte meine Stirn hart, dass ich voranginge hin zu denen, die mir widerstehen würden. Und dass ich nicht aufgäbe im Angesicht derer, die gegen mich wären. Und ich rief mit lauter Stimme: „Wer ist wie DU, der DU Deine Knechte sendest und ihnen alles gibst, sodass sie bestehen bleiben und das herrliche Werk ausführen können, das DU zusammen mit diesen und durch diese tun willst.“

Und ich erinnerte mich an das, was Gott mir soeben klarmachte. Und ich ging voller Zuversicht weiter meine Straße. Und ich war fröhlich! Denn ich hatte Gott alles gegeben. Und nun war Gott daran, alles zu geben. Denn ich hatte getan, was Gott wollte. Und ich hatte nichts, auf das ich mich jetzt verlassen konnte. Nur Gott! Denn Gott war jetzt alles, was ich hatte. Und damit hatte ich ALLES! ALLES, damit der Allmächtige jetzt ALLES tun könnte, was Er tun wollte – durch Seinen Geist – UND DURCH MICH.

[Fortsetzung folgt...]